Martin Meister, Student MIT (Cambridge, USA), verbrachte im Sommer 2026 elf Wochen an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und lernte dabei zwei Forschungsgruppen und ihre Labore kennen.
Elf Wochen, zwei Labore, zwei Forschungsthemen
Von Juni bis August 2026 war Martin Meister, Elektrotechnikstudent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA), zu Gast an der Fakultät Ingenieurwissenschaften der HTWK Leipzig. Vermittelt wurde sein Aufenthalt über MISTI Germany, den Deutschland-Zweig der MIT International Science and Technology Initiatives. Jedes Jahr arbeiten über das Programm 80 bis 100 MIT-Studierende bei Partnern in Deutschland in praxisnahen Projekten.
Seine elf Wochen an der HTWK Leipzig waren bewusst zwischen zwei Arbeitsgruppen aufgeteilt: der Forschungsgruppe prodlog von Prof. Martin Gürtler und dem bikelab von Prof. Stephan Schönfelder. So konnte Martin Meister ganz unterschiedliche Forschungsthemen, Arbeitsweisen und Labore kennenlernen. In beiden Gruppen arbeitete er eng mit Studierenden und Doktoranden der HTWK Leipzig zusammen.
Martin Meister zu seinem Gastaufenthalt in Leipzig:„I had a great time working in the two labs and immersing myself in German culture. Leipzig is a lovely city to stay in as a student, and I would definitely recommend other US students come here to visit or study!"
[„Ich hatte eine tolle Zeit in den beiden Laboren und habe die deutsche Kultur in vollen Zügen genossen. Leipzig ist eine wunderbare Stadt für einen Studienaufenthalt und ich würde anderen US-Studierenden auf jeden Fall empfehlen, hierherzukommen, um die Stadt zu besuchen oder zu studieren!“]
Wenn Roboter Fingerspitzengefühl lernen
Forschungsgruppe Prof. Gürtler | Entwicklung eines kompakten Tastsensors für Roboter
Wie können Roboter erkennen, wie fest sie ein Objekt greifen oder ob es ihnen aus der Hand rutscht? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Forschungsgruppe prodlog von Prof. Gürtler. Im Mittelpunkt steht eine weiche magnetische Sensorstruktur nach dem sogenannten e-Flesh-Prinzip: Kleine Magnete sind in eine 3D-gedruckte, flexible Struktur eingebettet. Wird sie berührt oder verformt, verändert sich das Magnetfeld – daraus lassen sich Kraft und Verformung ableiten.
Gemeinsam mit Eric Plaß arbeitete Martin Meister an der Miniaturisierung und technischen Integration des Sensors. Er entwickelte eine kleine Leiterplatte (PCB), die die notwendige Elektronik kompakt zusammenführt; ein funktionsfähiger Prototyp liegt inzwischen vor. Sensorstruktur und Elektronik sind damit so klein, dass der Sensor in einen Finger der Roboterhand passt.
Parallel entstand eine automatisierte Pipeline zur Kalibrierung: Ein einfacher, teilweise 3D-gedruckter Roboterarm tastet die Sensoroberfläche systematisch ab. Mit den gewonnenen Daten werden die magnetischen Messwerte mithilfe maschinellen Lernens physikalischen Größen wie Kraft und Verformung zugeordnet. Mit dem PCB-Prototyp, der Integration in den Roboterfinger und der ressourcenschonenden Kalibrierungsmethode steht der Forschungsgruppe nun eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung taktiler Robotersysteme zur Verfügung.
Wenn das Fahrrad mit misst
Forschungsgruppe Prof. Schönfelder | Belastungsmessung am Messfahrrad im bikelab
Welche Kräfte wirken auf ein Fahrrad, wenn es über ein Hindernis rollt? Dieser Frage geht das bikelab der Forschungsgruppe von Prof. Schönfelder nach. Im zweiten Teil seines Praktikums arbeitete Martin Meister dort an einem Messfahrrad: Dehnungsmessstreifen an Sattelstütze und Vorbau erfassen die Belastungen, die im realen Fahrbetrieb auf diese Bauteile wirken. Langfristig sollen sich damit verschiedene Fahrsituationen vergleichen lassen, etwa Fahrten auf ebenem Untergrund und das Überfahren eines Hindernisses.
Gemeinsam mit der studentischen Hilfskraft Tilman Walter erprobte Martin Meister das Messsystem auf mehreren Testfahrten. Er erweiterte die Firmware der Mikrocontroller um Fehlermeldungen, damit Probleme in der Messkette schneller erkannt werden, und schrieb Python-Skripte, mit denen sich die aufgezeichneten Messdaten auswerten und grafisch darstellen lassen. Außerdem arbeitete er daran, zusätzlich Beschleunigungssensoren in das System einzubinden.
Die Testfahrten zeigten, an welchen Stellen die Messkette noch nachgebessert werden muss – eine wertvolle Erkenntnis für die nächsten Schritte. Mit der erweiterten Firmware, den Auswertungsskripten und den Erfahrungen aus den Testfahrten hat Martin Meister eine wichtige Grundlage für die kommenden Messfahrten im bikelab geschaffen.
Kooperation mit dem MIT wird fortgesetzt
Der Aufenthalt von Martin Meister steht in einer Tradition, die 2016 begann: Damals kamen über die Kontakte von Prof. Stephan Schönfelder erstmals zwei MIT-Studentinnen für zehn Wochen an die HTWK Leipzig – und schon damals arbeiteten sie in zwei unterschiedlichen Forschungsprojekten mit. Seitdem sind immer wieder Studierende aus Massachusetts für ein Sommerpraktikum nach Leipzig gekommen. Davon profitieren beide Seiten – die Gäste ebenso wie die Studierenden und Forschenden der HTWK, die im Laboralltag internationale Erfahrungen sammeln. Die Kooperation soll auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden.
